Freizeit
8.9.2026

Vollgas, ganz nah am Asphalt

Beim Kartfahren in Vuiteboeuf ging es für einige Rollstuhlfahrer auf die Jagd nach der schnellsten Runde. Was nach dreimal zehn Minuten Fahrspass klingt, entpuppte sich als ziemlich intensives Erlebnis für Kopf, Nacken und Handgelenke.

Noch deutet wenig darauf hin, was gleich kommt. Die Anmeldung findet in einem abgeschlossenen Innenraum statt. Personalien angeben, die letzten Formalitäten erledigen – alles ganz ruhig und unspektakulär. Dann öffnet sich die Tür zur Rennstrecke.

Motoren dröhnen, Karts schiessen vorbei – und einem schlägt der unverkennbare Geruch von Benzin und Abgasen entgegen. Ziemlich heftig sogar. Wer nicht regelmässig seine Freizeit an einer Rennstrecke verbringt, braucht erst einmal einen Moment, um sich daran zu gewöhnen. Willkommen im Motorsport.

Alles in den Händen
Dann wird es ernst. Rein in den Kart. Das geschulte Personal vor Ort hilft professionell beim Ein- und Aussteigen. Die angepassten Rennboliden verfügen über Gas und Bremse direkt am Lenkrad. Die Hände haben somit einiges zu tun: lenken, beschleunigen, bremsen – und möglichst gleichzeitig noch die perfekte Linie treffen. Unter einem arbeiten 28 PS, vor einem liegen 1600 Meter Rennstrecke.

Die ersten Kurven dienen noch dem Kennenlernen. Wie direkt reagiert der Kart? Wann muss gebremst werden? Wie schnell geht es durch die Kurve? Und wie arg driftet die Karre? Doch Zurückhaltung hält beim Karting offenbar nicht besonders lange.

Mit jeder Runde wächst das Vertrauen. Der Bremspunkt wandert ein Stück nach hinten, beschleunigt wird früher – und plötzlich geht es nicht mehr nur darum, heil um den Circuit zu kommen. Jetzt geht es um Sekunden.

44 km/h – die sich nach deutlich mehr anfühlen
Pro Session werden vier Runden auf Zeit gefahren, danach folgt eine Runde zum Ausfahren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei rund 44 km/h. Klingt auf dem Papier zunächst überschaubar. Im Kart sieht die Welt allerdings anders aus.

Nur knapp über dem Asphalt rauscht die Strecke vorbei. Jede Bewegung des Karts ist unmittelbar spürbar – besonders die Fliehkräfte in den schnellen Kurven. Körper und Kopf werden nach aussen gedrückt, während der Nacken permanent dagegenhält. Gleichzeitig arbeiten die Hände am Lenkrad. Durch die Handsteuerung bekommen auch die Handgelenke einiges ab. Nach zehn Minuten weiss man ziemlich genau, welche Muskeln gerade gearbeitet haben.

Der Kampf mit der Zwei-Minuten-Marke
In der zweiten Session war der Ehrgeiz endgültig geweckt. Die Strecke war vertrauter, der Kart fühlte sich weniger fremd an und aus «Mal schauen, wie das funktioniert» wurde langsam «Da geht noch was». Später bremsen. Kurve sauber erwischen. Geschwindigkeit mitnehmen. Wieder aufs Gas. In der dritten Session war es dann so weit: Die Zwei-Minuten-Marke wurde geknackt. Die Freude war gross – bis der Blick auf die Zeiten der erfahrenen Cracks fiel. Die waren auf derselben Strecke nochmals rund fünf Sekunden schneller. Im Alltag sind fünf Sekunden nichts. Auf einer Kartstrecke können sie plötzlich ziemlich lang sein.

 

Während die einen rasen, geniessen die anderen
Auch abseits der Strecke überzeugt die Anlage in Vuiteboeuf. Rund um den Circuit gibt es zahlreiche Picknick- und Aufenthaltsflächen. Familien, Freunde und Begleitpersonen können dort gemeinsam Zeit verbringen und gleichzeitig das Geschehen auf der Strecke verfolgen. Während auf dem Asphalt um Zehntelsekunden gekämpft wird, lässt sich wenige Meter daneben entspannt picknicken und anfeuern – ein schöner Gegensatz zu Lärm, Tempo und Adrenalin auf der Strecke.

Müder Nacken, breites Grinsen
Nach drei Sessions und zwölf gezeiteten Runden war Schluss. Der Nacken? Müde. Die Handgelenke? Ebenfalls. Der Ehrgeiz? Der hätte problemlos noch ein paar Runden vertragen.

Karting sieht von aussen nach ein bisschen Spass im Kreisfahren aus. Wer einmal selbst in einem 28-PS-Kart knapp über dem Asphalt durch die Kurven gejagt ist, weiss es besser. Geschwindigkeit, Konzentration und körperliche Belastung kommen hier auf eine Weise zusammen, die man erst versteht, wenn man selbst hinter dem Lenkrad sitzt.

Und der Benzingeruch, der uns zu Beginn beinahe erschlagen hatte? Den bemerkten wir am Ende kaum noch. Vielleicht ist genau das der Moment, in dem man weiss, dass einen das Karting gepackt hat.

Selbst Lust auf eine Runde?
Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer können das Karting in Vuiteboeuf auch unabhängig von einem SPV-Anlass ausprobieren. Wer lieber gemeinsam auf die Strecke geht, hat im Rahmen des «move on» in Yverdon-les-Bains vom 4. bis 6. Juni 2027 die nächste Gelegenheit. Die SPV bietet die Aktivität erneut an – SPV-Mitglieder profitieren dabei von einem reduzierten Preis.