Powerchair Hockey
27.6.2026

Schweiz krönt sich in Finnland zum Weltmeister – Ein Turnier-Rückblick mit Coach Rico Romano

Die Schweizer Powerchair Hockey Nationalteam hat in Pajulahti (Finnland) Geschichte geschrieben: Mit einem 5:3-Finalsieg gegen die Niederlande sichert sich die Schweiz erstmals den Weltmeistertitel – und bestätigt eindrücklich ihre Entwicklung vom Underdog zur Weltspitze. 

Was dieses Team in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, wurde an dieser WM nicht nur sichtbar, sondern konsequent zu Ende gespielt. Oder wie Headcoach Rico Romano im Interview treffend sagt: «Die Entwicklung dieses Teams über die letzten Jahre ist enorm – wir haben gelernt, mit Druck umzugehen und in den entscheidenden Momenten die richtigen Lösungen zu finden.»

Ambitionierte Ziele und ein klarer Plan
Die Ausgangslage vor dem Turnier war klar definiert. Ein Halbfinaleinzug galt intern als Mindestziel, verbunden mit der Ambition, die Gruppe zu gewinnen und sich so den vermeintlich einfacheren Weg in den Final zu sichern.

Dass dieser Plan aufging, lag auch daran, dass die Schweiz nach dem einzigen Ausrutscher – dem Unentschieden gegen Italien – die richtigen Schlüsse zog. In den darauffolgenden Spielen erhöhte das Team gezielt den Druck auf das Torverhältnis und sicherte sich so den Gruppensieg. Romano unterstreicht rückblickend vor allem die Reaktion seiner Mannschaft auf diesen Moment: «Solche Spiele sind extrem wertvoll. Wir mussten Lösungen finden – und genau das hat das Team ausgezeichnet: die Fähigkeit, sich im Turnierverlauf zu steigern.» Diese Entwicklung war im gesamten Turnierverlauf spürbar. Die Schweiz spielte sich Schritt für Schritt in einen Flow, gewann an Sicherheit und strahlte zunehmend Selbstverständlichkeit aus.

Das Endspiel für die Geschichte
Mit dem Einzug ins Finale gegen die Niederlande war bereits ein historischer Erfolg gelungen. Doch innerhalb des Teams war schnell klar: Hier geht noch mehr.

Auffällig dabei war die mentale Herangehensweise, die das Trainerteam bewusst steuerte. Anstatt sich spezifisch auf den Gegner zu fokussieren, blieb man konsequent bei den eigenen Abläufen. Rituale, Spielvorbereitung und taktische Grundprinzipien wurden kaum verändert.

«Wir wollten das Finale bewusst wie jedes andere Spiel angehen», erklärt Romano. «Genau diese Ruhe und Disziplin haben am Ende den Unterschied gemacht.» Diese Ruhe war auch auf dem Feld sichtbar. Trotz der grossen Bühne wirkte die Schweiz von Beginn an kontrolliert und fokussiert.

Das Endspiel selbst spiegelte die gesamte Turnierleistung wider. Offensiv setzte die Schweiz mit Jan Schäublin und Khaleq Hassani immer wieder kreative Akzente. Defensiv überzeugte das Team durch Disziplin und Struktur und mit Noé Spirig einen sicheren Wert im Tor.

Als Schäublin 7:31 Minuten vor Schluss auf 4:1 erhöhte, schien die Partie vorentschieden. Doch die Niederlande konnte nochmals reagieren und verkürzten auf 4:2, was die Schweiz nochmals unter Druck setzte. In dieser Phase zeigte sich die vielleicht grösste Stärke des Teams: Widerstandsfähigkeit. Während vorne Schäublin mit dem 5:2 für die Entscheidung sorgte, wuchs Torhüter Noé Spirig über sich hinaus und entschärfte in den Schlussminuten ein Ball nach dem anderen. Der 5:3-Endstand markierte schliesslich den verdienten Schlusspunkt einer beeindruckenden Turnierleistung.

Ein Titel mit grosser Bedeutung
Für Romano und sein Team ist dieser Titel mehr als nur ein sportlicher Erfolg. Er ist das Resultat jahrelanger Arbeit – auf und neben dem Feld.

«Dieser Titel ist die Belohnung für alles, was in dieses Projekt investiert wurde», sagt Romano. «Von den Trainings in Zürich bis zu den intensiven Wochenenden in Nottwil – jeder Schritt hat dazu beigetragen.» Gleichzeitig ordnet er den Triumph auch in einen grösseren Kontext ein: «Für die Schweiz im Powerchair Hockey ist es ein klares Zeichen, dass vieles richtig gemacht wurde. Wir haben uns über Jahre hinweg kontinuierlich nach vorne gearbeitet – und stehen nun an der Spitze der Weltrangliste.»

 Spätestens seit dem dritten Platz an der Heim-WM 2022 war dieser Aufwärtstrend sichtbar. In Finnland wurde er nun mit dem grössten möglichen Erfolg bestätigt.

Mehr Sichtbarkeit für den Sport
Parallel zur sportlichen Erfolgsgeschichte entsteht derzeit ein Projekt, das genau diese Entwicklung dokumentiert und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Die Filmemacherin Tamara Reichle begleitet das Nationalteam seit vier Jahren und hält die Reise dieses Teams in ihrem Langzeitdokumentarfilm «Nothing Can Stop Us» fest. Der Film beleuchtet nicht nur den sportlichen Weg bis zum WM-Titel, sondern rückt vor allem die Hauptakteure in den Fokus – ihre Leidenschaft, ihren Teamgeist und ihren Alltag im Leistungssport.

Der WM-Triumph verleiht diesem Projekt zusätzliche Strahlkraft. Die Geschichte dieses Teams steht exemplarisch für das, was im Spitzensport möglich ist, wenn Engagement und Vision zusammenkommen.

Blick nach vorne
Nach den intensiven Monaten rund um die WM steht für das Team zunächst Regeneration im Fokus. Doch bereits im Herbst beginnt der nächste Zyklus mit Blick auf die Europameisterschaft 2028.

Mit dem WM-Titel im Rücken und einer klaren Identität als Team startet die Schweiz in diese neue Phase – nicht mehr als Geheimtipp, sondern als gejagter Weltmeister. «Jetzt geht es darum, diesen Standard zu halten – und uns weiterzuentwickeln. Denn wir sind noch lange nicht am Ende angekommen.» so der Stolze Coach der Powerchair Hockey Champions.