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    SPV
    Recht
    1.6.2026

    Das Forum Recht traf den Nagel auf den Kopf

    Hochkarätige Referate, lebhafte Diskussionen und ein Thema, das die Gemüter bewegt, so lässt sich das diesjährige Forum Recht zusammenfassen.

    Rund 160 Personen, darunter viele Menschen mit Querschnittlähmung, waren der Einladung nach Nottwil gefolgt. «Die Pflege zu Hause durch Angehörige – von der Anmeldung bis zur Auszahlung» war das Thema. Das ist ein existentielles Thema, denn die Bezahlung der Pflege zu Hause entscheidet oft darüber, ob ein Betroffener zu Hause leben kann oder in eine Pflegeinstitution muss.

    Im ersten Teil der Veranstaltung legten Michael Bütikofer und Yannick Gloor, beides Rechtsanwälte der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, die Unterschiede zwischen den Pflegebeiträgen der Unfallversicherungen und den Krankenkassen dar. Vereinfacht gesagt können Pflegeleistungen von Angehörigen bei den Unfallversicherungen direkt abrechnet werden, während es bei den Krankenkassen eine Anstellung bei einer Spitex-Organisation benötigt. Zudem kann bei den Krankenkassen nur die sogenannte Grundpflege,  nicht aber die medizinische Behandlungspflege abgerechnet werden. Das sind zum Beispiel die Hilfe beim An- und Auskleiden oder bei der Körperpflege. Bei den Unfallversicherungen kann hingegen auch die medizinische Pflege durch Angehörige erbracht und vergütet werden. Beispielsweise das Anbringen von Verbänden oder die Stomapflege . Diese Unterschiede stossen bei den Teilnehmenden auf wenig Verständnis. So überrascht nicht, dass die Frage aufkam, ob es nicht an der Zeit wäre, diese nicht unwesentlichen Unterscheidungen aufzuheben. Politische Vorstösse dazu gibt es, aber leider waren sie bislang nicht von Erfolg geprägt.

    In einem zweiten Teil erklärten Christina Brechbühl, Leiterin des Teams Pflegeleistungen der SAHB Hilfsmittelberatung, und Manuela Friedli, Co-Geschäftsführerin der ParaHelp, wie eine Pflegebedarfserhebung abläuft. Mit dieser wird geklärt, welche Pflegeleistungen eine Person benötigt und wie viel Zeit dafür aufgewendet wird. Der Abklärungsbericht bildet dann die Grundlage für die Kostenbeteiligung der Unfallversicherungen oder Krankenkassen. Diese Erhebung wird nicht nur im Gespräch gemacht, sondern meist indem die Expert*innen eine Pflegesituation vor Ort beobachten, z.B. die Morgenpflege. Die beiden Referentinnen schliessen ihr Referat mit einem grossen Lob an pflegende Angehörige ab, die im Alltag ganz viel leisten.

    Zum Abschluss der Veranstaltung stellt Romano Ricciardi das Model der Solicare vor, einer privaten, gemeinnützige Fach-Spitex für pflegende Angehörige. Solicare beschäftigt neben 26 Pflegefachpersonen mehr als 330 pflegende Angehörige und begleitet diese im Alltag. Er betont, dass es wichtig ist, den pflegenden Angehörigen Weiterbildungen anzubieten und sie bei Problemen zu unterstützen. So wird beispielsweise schon zu Beginn übergelegt, wer einspringt, sollte der oder die pflegende Angehörige ausfallen.

    Im Anschluss wurde nochmals intensiv diskutiert mit dem Publikum. Es zeigte sich, dass das Thema offene Fragen hinterlässt. Die Rechtsberatung der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung unterstützt bei deren Beantwortung. Nicht nur am Forum Recht, sondern auch danach, indem sie Betroffene ein Leben lang begleitet.