Skifahren stärkt ihr Selbstvertrauen

Noemi Studer aus Kriens liebt Tage mit dem Monoskibob. Das Ziel der 18-Jährigen, die mit einer Zerebralparese geboren wurde: eines Tages selbstständig im Schnee unterwegs zu sein.

Die Vorfreude beginnt mit dem Moment, in dem sie sich für den Skikurs anmeldet. Noemi Studer wird Ende 2025 in Sörenberg den ersten Tag dieses Winters im Monoskibob verbringen und ein paar Stunden geniessen, die für sie weit mehr sind als ein sportlicher Zeitvertreib.

Die Fragen vor dem Skitag
Als der 29. Dezember 2025 in Sörenberg näher rückt, spürt sie eine leichte Anspannung. Passt die Sitzschale? Was ist wohl von dem übrig geblieben, was sie in vergangenen Wintern gelernt hat? Wie lange dauert es, bis sie wieder einigermassen im Rhythmus ist? Und vor allem auch: Wie reagiert der Körper auf die Anstrengung?

Noemi Studer erhält rasch die Antworten. Die Sitzprobe ist innerhalb weniger Minuten erledigt und die ideale Schale gefunden. SPV-Mitarbeiter Richard Studer, Co-Koordinator Mono- und Dualskibobkurse in Sörenberg, kümmert sich an diesem Tag als Skilehrer um seine Namensvetterin, mit der er nicht verwandt ist.

Skifahren bedeutet für mich Freiheit. Und es ist auch eine Beruhigungsmethode. In stressigen Phasen hilft manchmal bereits die Vorstellung, wie schön es jeweils auf der Piste ist – und es geht mir wieder gut.
Noemi Studer

Skitage haben einen fixen Platz in der Agenda, unabhängig vom Wetter. Sie will ihre Fähigkeiten im Monoskibob so verbessern, dass sie eines Tages ohne fremde Hilfe auskommt – und mit Kolleginnen und Kollegen Abstecher in die Berge machen kann. «Ich möchte so weit kommen, dass ich auch ausserhalb der Kurstage Ski fahren kann», sagt sie. Die Disziplin und Bereitschaft, einen hohen zeitlichen Aufwand zu betreiben, sind vorhanden.

Das Skifahren soll für sie nie eine Belastung sein, sondern ein Vergnügen. Gleichzeitig hat sie den Ehrgeiz, an ihrer Technik zu feilen und die Kurven sauber zu drehen. Neben der Eleganz hat sie den Anspruch, mit einem gewissen Tempo unterwegs zu sein und die Kontrolle nie zu verlieren. Eine Eigenschaft ist dabei von Vorteil: Furchtlosigkeit. «Sobald ich Angst habe, erhöht das die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes.»

Mit Skilehrer Richard Studer

Sörenberg ist das bevorzugte Gebiet von Noemi Studer. Hier kommt sie sich nicht vor wie eine Exotin, weil viele andere auch mit einem Monoskibob unterwegs sind; hier steht ihr hochwertiges, perfekt gewartetes Material zur Verfügung; und hier findet sie ein Ausbildnerteam, das auf ihre Bedürfnisse eingeht. Richard Studer gibt immer wieder Anweisungen, animiert Noemi, mit einer Spur mehr Dynamik die Kurven noch enger zu schneiden, und ist erfreut über ihre Entwicklung. «Sie schafft blaue und einfache rote Pisten ohne meine Hilfe», sagt er.

Ihre hohe Lernbereitschaft kommt auch beim Videostudium zum Ausdruck. Der Skilehrer filmt einige Fahrten, die hinterher gemeinsam analysiert werden. Sie ist dankbar für Hinweise auf Details und bestrebt, beim nächsten Durchgang sofort Korrekturen anzubringen. Das kann die Anwendung der zwei Krückenski (Stabilos) betreffen, die Sitzposition oder den Kanteneinsatz. «Es ist mir wichtig, Macken zu eliminieren», erklärt sie mit einem Augenzwinkern.

Viel Gesprächsstoff am Bügellift
«Noemi ist eine coole junge Frau, die viel investiert, um eine bessere Skifahrerin zu werden», sagt Richard Studer. «Die Zusammenarbeit mit ihr ist extrem unkompliziert und angenehm.» Und noch etwas: «Langweilig ist es auch nie. Noemi ist ein kommunikativer Mensch und hat am Bügellift immer etwas zu erzählen, sei es von der jüngsten Französischprüfung oder der letzten Reitstunde.»

Die Kurse bei der SPV machen Lust auf mehr. Sie kann nun auch mit ihrer Familie Skiferien erleben, wobei ihr Vater Christoph dann die Rolle des Begleiters übernimmt. Er hat dafür eigens einen Kurs absolviert. Möglichst viele Kilometer will sie in diesem Winter zurücklegen und, so formuliert sie es, «Vollgas geben». Das klingt nun fast so, als spräche eine Athletin. Denkt sie vielleicht doch daran, einmal Wettkämpfe zu bestreiten? «Bis jetzt war das kein Thema», antwortet Noemi Studer. «Aber ich sage es so: Ich schliesse es nicht mehr kategorisch aus.»

(von Peter Birrer, Paracontact 1/26)