Wenn eine Person im Rollstuhl einen Autokauf plant, tut sie gut daran, einen Punkt zu priorisieren: Die Zweckmässigkeit steht über der Ästhetik. Beat Bösch, Peerberater bei der SPV und Tetraplegiker, betont: «Wunschvorstellung und Realität sind leider nicht immer deckungsgleich.»
Eine Frage wird gerne vergessen, dabei ist sie für ihn zentral: «Wie bringe ich meinen Rollstuhl überhaupt in den Wagen?» Darum ist für ihn ein Faktor massgebend: «Die Grösse des Autos. Ideal sind Kombis oder Mini-Vans.» Und ebenfalls von erheblichem Vorteil sind automatische Schiebetüren ab Werk, die man per Knopfdruck öffnen kann. Denn: «Nicht jeder Rollstuhl passt durch eine gewöhnliche umgebaute Schwenktür.»
90 Sekunden statt 6 Minuten
Als Beat Bösch vor bald 30 Jahren nach dem Unfall zum ersten Mal seinen Rollstuhl ins Auto lud, dauerte der Vorgang oft bis zu sechs Minuten. Zuerst transferierte er vom Rollstuhl hinter das Lenkrad, dann folgte das Verladen des Rollstuhls mit einem Hebearm, der sich mit einer Kabelsteuerung bedienen liess. Wenn er pro Tag fünfmal ein- und ausstieg, kostete ihn das insgesamt also rund eine Stunde.
Inzwischen klappt das viel schneller. In 90 Sekunden ist der 54-Jährige abfahrbereit, manchmal benötigt er gar noch weniger. Das hat primär mit einem relativ einfachen Hilfsmittel zu tun. Beat Bösch transferiert auf den Fahrersitz, öffnet die Schwenktüre und fährt den Seilzug aus. Er bringt den Haken am Rahmen an und hievt den Rollstuhl, den er von Hand führt, hinter den Fahrersitz. Natürlich hilft ihm auch die Routine – jeder Handgriff sitzt.
Längst ist er ein Verfechter des Seilzugs, der für Rollstühle mit Festrahmen oder Faltrollstühle geeignet ist. «Er ist effizient und leicht zu handhaben. Ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht», sagt er und fügt an, dass noch auf einen Punkt zu achten ist: «Es vereinfacht den Transfer ins Auto, wenn sich Fahrersitz und Rollstuhl in etwa auf gleicher Höhe befinden.»
Vor allem Menschen mit einer Paraplegie verzichten teilweise auf die Unterstützung eines Verladesystems und wählen die manuelle Option. Sie haben dadurch eine grössere Auswahl an Fahrzeugmodellen, darunter auch Zweitürer. Nach dem Transfer hinters Steuer nehmen sie die Räder des Rollstuhls ab und verstauen sie zusammen mit dem Rahmen. «Physio- und Ergotherapie raten jedoch von diesem Vorgehen ab, weil es mit der Zeit Schulterprobleme verursachen kann», sagt Beat Bösch.
Eine Alternative ist der Ladeboy, ein teureres Hilfsmittel als der Seilzuglift. Mit diesem System lässt sich ein Rollstuhl ohne Kraftaufwand ein- oder ausladen. Einsetzbar ist es sowohl für manuelle Rollstühle als auch für Elektrorollstühle bis 50 Kilo. Für noch schwerere Geräte – wie zum Beispiel Zuggeräte – bietet sich der Kofferraumlift an. Je nach Modell kann er eine Last von bis zu 200 Kilo verladen. In der Regel übernimmt die Invalidenversicherung (IV) die Kosten für ein System.
Verschiedene Verlademöglichkeiten machen das Ein- und Ausladen zu einem Routinevorgang, der mit wenig Energieverlust vonstattengeht. Beat Bösch macht es vor.
(von Peter Birrer, Paracontact 1/26)