Startseite Alt+0Navigation Alt+1Inhalt Alt+2Kontakt Alt+3Sitemap Alt+4Suche Alt+5

Schweizer

Paraplegiker-Vereinigung

Kantonsstrasse 40

6207 Nottwil

Telefon: 041 939 54 00

Fax: 041 939 54 09

spv(a)spv.ch

 

Postkonto

IBAN CH06 0900 0000 6001 2400 3

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

Die «Querschnittgelähmten des Jahres» 2014 sind gekürt: Monika Geesing-Beck und Hansruedi Fitze

(09.12.2014)

Sie haben Grossartiges geleistet und erhielten dafür am vergangenen Sonntag eine ganz besondere Auszeichnung: Monika Geesing-Beck aus Zwingen und Hansruedi Fitze aus Bülach sind die aktuellen «Querschnittgelähmten des Jahres». Die Ehrung der gebürtigen Solothurnerin und des gebürtigen Thurgauers fand im Rahmen des traditionellen Adventskonzerts in der bis auf den letzten Platz ausgebuchten Aula im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil statt.

 

Medienmitteilung der SPS:
Bereits zum 22. Mal hat die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) zwei Querschnittgelähmte geehrt, die in ihrem Leben Aussergewöhnliches geleistet haben und damit Vorbild für andere Betroffene sind. Für die Auswahl verantwortlich war eine namhafte, fünfköpfige Jury. Begleitet wurde die Ehrung von einem festlichen Konzert des internationalen Opernstudios Zürich, das inzwischen schon zum 40. Mal durchgeführt wurde.

Monika Geesing-Beck, eine Powerfrau auf zwei Rädern
Im Januar 1983 endete ein geselliger Abend auf der Heimfahrt für die 17-Jährige in einer Tragödie. Im Paraplegikerzentrum Basel unter der Leitung von Guido A. Zäch begann ihr neues Leben als Querschnittgelähmte. Schon bald nach Spitalaustritt und Rehabilitationsende schloss sich Monika Beck dem Rollstuhlclub Biel an, um Basketball zu spielen. Ausserdem nahm sie die Lehre zur Elektronikmonteurin in Angriff. Amors Pfeil traf Monika Beck 1993, als ein gewichthebender Rollstuhl-Sportkollege ihr seinen Trainer Pete Geesing vorstellte. Ein Jahr später zogen die beiden in ihr Eigenheim und heirateten im darauffolgenden Jahr. Das gemeinsame Glück wurde sogar noch übertroffen: Monika Geesing-Beck wurde schwanger – und schenkte 1998 den Zwillingsbuben Kenny und Roy das Leben.

Die zierliche Frau ist glücklicherweise nicht nur eine willensstarke, sondern auch sehr positiv eingestellte Persönlichkeit. Dies hat ihr bestimmt geholfen, 2009 auch den zusätzlichen Schock der Brustkrebsdiagnose zu überwinden und weiter positiv in die Zukunft zu schauen.

Heute kümmert sich Monika Geesing-Beck um ihren Haushalt in der neuen Eigentumswohnung, sorgt sich zusammen mit ihrem Ehemann um ihre zwei jugendlichen und sportlich aktiven Söhne und arbeitet weiterhin hart an ihren Herausforderungen, welche das Leben im Rollstuhl täglich beinhaltet. Sportlich ist sie immer noch aktiv im Rollstuhlclub Basel, für den sie kürzlich ein nationales Rollstuhlbasketball-Turnier mit elf Teams mitorganisiert hat. «Monika Geesing-Beck, du hast deine neue Identität vorbildlich und mit viel innerer Kraft angenommen sowie dein Glück, dein Lachen, deine Zuversicht und deine humorvolle Art wieder gewonnen!», schwärmt Heinz Frei, Präsident der Gönner-Vereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung während der Laudatio.

Bewegend waren auch die Worte der strahlenden Monika Geesing. «Ich möchte anderen zeigen, dass man auch mit einem solchen Schicksal wieder glücklich werden und etwas erreichen kann im Leben. Menschen, die in ein Tief fallen möchte ich eines mitgeben: Pack es an, es kommt wieder gut!»

Hansruedi Fitze, ein Kämpfer mit hohen Zielen
Bei einem Sturz aus sieben Metern Höhe brach sich der damals 41-jährige Dachdecker den sechsten Halswirbel. Seit diesem verhängnisvollen Tag im Oktober 1992 ist Hansruedi Fitze Tetraplegiker und muss lernen, sein Leben neu zu gestalten. Er wird seine Frau Inge nicht mehr wie früher in die Arme nehmen können, nicht mehr unbekümmert mit seinen drei Kindern Manuela, Thomas und Roland spielen können. «Hansruedi Fitze wusste damals nicht, wie es weitergehen, wie er seine eigene Firma weiterführen und wie er seine Familie ernähren soll – trotzdem hat er gekämpft und sich nicht entmutigen lassen», erzählt Daniel Joggi, Stiftungsratspräsident der SPS und selber Tetraplegiker.

Hansruedi Fitze kämpfte um jedes Stück Selbständigkeit, gab nicht auf, trainierte mit der Ergotherapeutin und konnte nach einem halben Jahr bereits alleine duschen. Während der zehnmonatigen Rehabilitationszeit wurde sein Zuhause rollstuhlgerecht umgebaut. Seine Familie gab ihm Halt und besonders seine Ehefrau drängte ihn, am Leben teilzuhaben. Sie versuchte, ihm den Rollstuhlsport schmackhaft zu machen. Nach anfänglichem Zweifel packte ihn der Ehrgeiz und bald war er so viel unterwegs wie vor dem Unfall, trainierte fleissig mit seinem Rennrollstuhl. Zwei Jahre später gründete er die Rugby-Mannschaft Catch ups (heute Blue White Eagles) und nahm neben den regelmässigen Trainings an Turnieren teil. Fünfmal wurde das Team sogar Schweizer Meister. 1998 wurde Hansruedi Fitze zudem Weltmeister im 4x400-Meter-Rennrollstuhlrennen, daneben mass er sich im Fünfkampf. «Mein schönster Erfolg waren die Paralympics in Sydney im Fünfkampf und alle meine Sportarten, die ich ausführen konnte; Rugby, Badminton, Unihockey und Curling», schwärmt er.

Nicht nur sportlich ist er auf der Überholspur. Seine Firma ist inzwischen eine Aktiengesellschaft, er sorgt für eine einwandfreie Administration. Von 2001 bis 2013 engagierte sich Hansruedi Fitze auch politisch im Gemeinderat Bülach.

Vor sieben Jahren schlägt das Schicksal noch einmal gnadenlos zu: Sein Sohn Roland, damals 23-jährig, erkrankt an Dickdarmkrebs und stirbt. Aber auch Schönes gibt es zu berichten: Die Geburt seiner drei Enkelkinder Lionel, Lina und Liara, die ihm viel Freude bereiten.

Nach der Übergabe der Urkunde verrät Hansruedi Fitze: «Diese Auszeichnung müsste eigentlich meine Frau bekommen. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich nicht mehr aus dem Haus.» Heute sei er fast sportlicher als vor seinem Unfall, obwohl Bewegung schon damals zentral war in seinem Leben.

Die Jury:
Daniel Joggi, Präsident Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS
Hans Peter Gmünder, Direktor Schweizer Paraplegiker-Zentrum SPZ
Guido A. Zäch, Gründer und Ehrenpräsident Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS
Heinz Frei, Präsident Gönner-Vereinigung Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS
Erwin Zemp, Stiftungsrat Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS

Heinz Frei (links) mit den beiden Geehrten Monika Geesing-Beck und Hansruedi Fitze sowie Daniel Joggi (rechts).