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Schweizer

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Querschnittgelähmte des Jahres: Elisabeth Mettler-Kiener und Rolland Bregy

(09.12.2013)

Sie haben Grossartiges geleistet und wurden am vergangenen Sonntag dafür geehrt: Elisabeth Mettler-Kiener aus Hünenberg und Rolland Bregy aus Turtmann. Die Ehrung der Zugerin und des Wallisers fand im Rahmen des traditionellen Adventskonzerts in der komplett ausgebuchten Aula im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil statt.

 

Daniel Joggi, Präsident der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (Mitte), mit den beiden Geehrten Elisabeth Mettler-Kiener (links) und Rolland Bregy (rechts).

Bereits zum 21. Mal hat die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) zwei Querschnittgelähmte geehrt, die in ihrem Leben Aussergewöhnliches geleistet haben. Für die Auswahl verantwortlich war eine namhafte, fünfköpfige Jury. Begleitet wurde die Ehrung von einem festlichen Konzert des internationalen Opernstudios Zürich.

Elisabeth Mettler-Kiener, die Power-Frau
«Lisbeth, du hast alles erreicht: Schweizer Meisterschaft, Europameisterschaft, Weltmeisterschaft – und dies auf höchstem Niveau», bringt es eine ehemalige Sportkameradin auf den Punkt. Anerkennende Worte fand auch der Gründer und Ehrenpräsident Guido A. Zäch, der die Laudatio hielt. Er bezeichnete sie als mutige und starke Frau, eine beeindruckende Persönlichkeit und ein prägendes Vorbild für alle.

Eine anstrengende Zeit war es, als sich die damals knapp Zwanzigjährige in der Ausbildung zur Hotelfachfrau befand. Sogar ein Ausgehverbot für die Lernenden wurde verhängt. Die Lebensfreude der jungen Frau konnte dies aber nicht trüben. Wenn Tanz angesagt war, schlich sich die Baselbieterin kurzerhand durch das Fenster im 1. Stock ins Freie. Doch an jenem Abend im September 1971 ging etwas schief: Beim Rausklettern aus dem 1. Stock blieb sie hängen, stürzte ab, brach sich mehrere Brustwirbel und blieb querschnittgelähmt liegen. «…sie bleibt von Hilfe abhängig – was passiert, wenn die Eltern einmal nicht mehr da sind…?»   hörte sie Besucher über sich reden, während sie zu Bettruhe verpflichtet im Basler Paraplegikerzentrum lag. Diese Worte weckten ihren Kampfgeist. «Ich werde selbstständig – ich werde es allen zeigen», beschloss sie.

Um die soziale Isolation zu vermeiden, begann Elisabeth Mettler wieder Sport zu treiben. Mit viel Biss wurde trainiert – während und ausserhalb der Therapiezeit. Sie entdeckte ihre Leidenschaft für Rollstuhl-Tischtennis und wurde in der Schweiz zur Pionierin dieser Sportart. An den Paralympics in Arnhem 1980, Aylesbury 1984 und Seoul 1988 gewann Elisabeth Mettler insgesamt sechs Goldmedaillen. Gold holte sie auch über 200m und 400m an den Paralympics in Toronto 1976. Die dreimalige Wahl zur Sportlerin des Jahres der Zentralschweiz bestätigte ihre hervorragenden Leistungen als Athletin.

Mit Remo fand sie auch ein neues Liebesglück, nachdem die erste Ehe scheiterte. Die Geburt ihres Sohnes Marco war die Krönung ihrer Liebe.
Auch der berufliche Erfolg blieb nicht aus. In der Strafanstalt Zug übernahm Elisabeth Mettler eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Administration und Buchhaltung. Zudem hält   sie an Schulen und verschiedenen Clubs Referate, bei denen sie für ihre überzeugende Art geschätzt wird. Ihr Lebensmotto «Mit einem Lachen geht’s besser» sieht man der aktiven Frau regelrecht an. Sie sei damals sehr schnell integriert gewesen und hatte nie das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Deshalb ist es für Elisabeth Mettler umso wichtiger, sich für die Integration von Rollstuhlfahrern in der Gesellschaft zu engagieren. «Mit dieser Auszeichnung habe ich nicht gerechnet, da meine sportliche Karriere ja schon eine Weile zurück liegt – darum freut mich diese Ehrung ganz besonders», strahlt sie.


Rolland Bregy, der vielseitig Engagierte
«Rolland überzeugt sowohl mit seiner Schaffenskraft und Vielfältigkeit als auch mit seiner Kreativität sowie seinen Talenten und letztlich mit seinem grossen und uneigennützigen Engagement», lobte ihn Thomas Troger, der Direktor der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV), der die Laudatio über sein sprichwörtlich bewegendes Leben hielt.

Musik prägt das Leben von Rolland Bregy, dem gelernten Hochbauzeichner und Maurer aus dem Oberwallis. Seine Fähigkeiten als Hobbygitarrist waren gefragt. So auch an einer Hochzeit, an welcher er am 15. Mai 1982 spielen sollte. Doch dazu kam es leider nicht. Am Nachmittag desselben Tages stiess Rolland Bregy, der mit seinem Motorrad unterwegs war, bei Grengiols mit einem Auto zusammen. Als er im Paraplegikerzentrum in Basel wieder zu sich kam, erfuhr er von seiner Tetraplegie. Neben seiner Familie half ihm die Musik und die Malerei, diese schwere Zeit zu bewältigen und sich als Querschnittgelähmten zu akzeptieren. Die Familie und insbesondere seine Frau Rafaela, mit der er dieses Jahr den 21. Hochzeitstag feierte, sind es, die ihm auch heute immer wieder den nötigen Antrieb geben.

Ein besonderes Highlight der kreativen Schaffensphase von Rolland Bregy ist das dynamische Rollstuhllogo, mit dem er schweizweit bekannt wurde. Es vermittelt das Bild von Rollstuhlfahrern als aktive und am Leben teilhabende Menschen. Ausserdem kennen ihn viele aus dem Imagefilm der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, in dem er einen der drei Protagonisten spielt. Viel Engagement zeigte der Walliser zudem im Berufsleben. Nachdem ihn seine Aufgabe als Bankangestellter auf längere Sicht nicht zufriedenstellen konnte, entschied sich Rolland Bregy für den Aufbau eines Fahrdienstes für behinderte und ältere Menschen (Kleeblatttaxi Oberwallis).

Schlussendlich zog es ihn dann aber doch wieder zurück in seinen ursprünglich erlernten Beruf als Hochbauzeichner. Nach Abschluss seiner Zusatzausbildung als CAD-Zeichner wurde er an der Berufsschule Oberwallis als Ausbildner für Hochbauzeichner-Lehrlinge im Fach CAD angestellt. Diese Arbeit, die er mit grosser Freude und Befriedigung ausführte, musste er letztes Jahr nach 15 Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Rolland Bregy ist ein Mensch, der nach vorne blickt und dankbar ist für alles, was er noch kann. Dies beweist auch der Entscheid, seinen Namen – passend zur neuen Situation – zu Rolland mit zwei LL zu ändern.
«Ich durfte wieder ein Puzzleteilchen einfügen, das mein Lebenspuzzle auf wundersame Art verschönert», umschrieb Rolland Bregy seine Freude über diese ehrenvolle Auszeichnung.

Die Jury:
Daniel Joggi, Präsident Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS
Hans Peter Gmünder, Direktor Schweizer Paraplegiker-Zentrum SPZ
Guido A. Zäch, Gründer und Ehrenpräsident Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS
Heinz Frei, Präsident Gönner-Vereinigung Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS
Erwin Zemp, Stiftungsrat Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS