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Diverses

Herausforderung auf dem Wasser

Der Herbst ist traditionell bekannt als Marathonsaison: Luzern, Berlin oder Chicago. Dass es auch in Buochs einen Marathon gibt, ist den meisten unbekannt. Dabei handelt es sich nicht um einen «herkömmlichen» Marathon, er wird auf dem Wasser ausgetragen.

 

Der Kanuclub Nidwalden führte am letzten Septembertag bereits zum dritten Mal seinen Kanu-Marathon durch. Während die ambitionierteren Paddler die volle Distanz (42 km) absolvierten, stand auch die «kurze» Strecke über 21 km zur Verfügung. Die Vielfalt von Bootstypen war nicht nur für die Zuschauer überwältigend, paddelten neben den rund 100 Booten doch auch einige wenige Teilnehmende auf ihren Stand Up Paddles (SUP).

 

Para-Kanuten auch am Start

Kurz vor 09.30 Uhr am Vormittag haben Cyrill Scheuber und ich uns inmitten der rund 150 Teilnehmenden mit unserem Zweierkajak hinter der Startlinie im Buochser Hafen eingereiht und erwarteten voller Ungeduld das Startzeichen. Die Messlatte war hoch gesetzt: Wir planten, den Halbmarathon in drei Stunden und drei Minuten zu absolvieren. Diese Marke hatte Cyrill im letzten Jahr zusammen mit einer sehr erfahrenen Paddler-Kollegin aufgestellt. Uns war beiden klar, dass es «eng» werden wird.

 

Auf der ersten rund 6 km langen Teilstrecke bis zum Wendepunkt auf der Höhe von Emmetten musste ich leiden. Sämtliche Muskelpartien fühlten sich an, als ob sie bereits seit Stunden im Einsatz standen. War ich zu wenig aufgewärmt oder kurzum schlecht trainiert? Erste dunkle Gedanken blitzten in meinem Kopf auf. Würde ich es so bis ans Ziel schaffen? Cyrill liess ich erst mal im Glauben, dass alles im grünen Bereich sei. Erst auf dem schier unendlich langen Rückweg nach Buochs kamen wir zur Erkenntnis, dass ich Cyrills Paddel in den Händen hielt – und er meines. Mein bereits aufgescheuerter Daumen jubelte, nachdem wir die Paddel getauscht hatten. Mir machten gleich einen gefühlten Sprung nach vorne, es lief beinahe wie von selbst.

 

Am vermeintlichen Ziel vorbei

Ganz einfach dürfte es für niemanden gewesen sein, als nach zwölf Kilometer die Stelle passiert werden musste, wo auch das spätere Ziel sein würde. Der Weg bis zur letzten grossen Wendestelle bei der unteren Nas verlief für uns beide ohne grössere Vorkommnisse. Es wehte im Vergleich zur anderen Seeseite etwas Wind, den wir positiv für unser Geschwindigkeitsempfinden wahrnahmen. Das Mittagsgeläut einer nahestehenden Kirche machte uns schliesslich schlagartig bewusst, dass uns nur noch wenige Minuten zur Verfügung standen, um unser Zeitkontingent nicht zu überschreiten.

 

Energie, wo bist du?

Die letzten vier Kilometer bis ins Ziel entpuppten sich als hart, sehr hart. Das Paddel schien durch das Wasser zu kämpfen, ohne das Boot wirklich vorwärts zu bewegen. Das Ziel war zwar schon lange erkennbar, gefühlt vergrösserte sich der Abstand jedoch, anstatt dass die erlösende Boje näher kam. Die Muskeln brannten, die Gelenke schmerzten – man möchte nur noch aussteigen und sich flach ins Gras legen. Zu diesem Zeitpunkt des Wettkampfes war eine gute Strategie gefragt. Sich gegenseitig ablenken mit Gesprächen (sofern überhaupt noch möglich) oder sonst eben Paddelschläge zählen, das war unser Mittel. Ein letztes Aufbäumen auf den letzten 100 Metern und es war endlich geschafft. Zumindest die Strecke, denn die anvisierte Zeit von 3 Stunden und 3 Minuten hatten wir leider um sieben Minuten verpasst.

 

Wieder dabei?!

Voller Emotionen erklärten wir kurz nach der Ziellinie, dass wir das nächste Jahr wiederum teilnehmen werden. Ob im Zweierkajak, in zwei Einerkajaks oder vielleicht sogar über die «volle» Marathonstrecke – wir werden es sehen.

 

Martin Wenger

Fotos: Dani Lüthi, Olaf Arnz

 

Ausgabe: 10/2017