Schneesport
Die Sportart
Mit bis zu 100 Stundenkilometern im Monoski – einem speziellen Schalensitz mit gefedertem Traggestell, verbunden mit einem konventionellen Rennski – auf griffigen, pickelharten Pisten Slalom-, Riesenslalom-, Super-G- oder Abfahrtspisten zu meistern: Das ist der Monoskisport.
Dass es sich hierbei um Rollstuhlsportler handelt, welche die professionell präparierten Pisten hinunterrasen, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Der Monoskisport bietet Rollstuhlfahrern die Möglichkeit, die Faszination des Skifahrens zu erleben. Neben der Freiheit der Berge und dem gesellschaftlichen Erlebnis kann diese Sportart auch leistungsorientiert ausgeübt werden.
Die Faszination, sich mit anderen zu messen und Wettkämpfe auszutragen, geht auch an Monoskifahrern nicht vorbei.
Im Behindertensport sind die alpinen Skiwettkämpfe genau gleich organisiert wie die Wettkämpfe der Nichtbehinderten. Die Monoskifahrer tragen Slalom-, Riesenslalom-, Super-G- und Abfahrtsrennen aus. Die Wettkampforganisation und -durchführung unterliegt den FIS-Regeln. Ebenso gibt es ein Wertungssystem, welches die Athleten weltweit miteinander vergleicht.
Die Geschichte
Im Januar 1985 fand in Engelberg ein Kongress unter dem Motto «Wintersport für Rollstuhlfahrer» mit Teilnehmern aus 14 Nationen statt (Organisator SPV/RSS). Dieser internationale Ideenaustausch verhalf dem Schneesport für Rollstuhlfahrer sowohl im Ski alpin wie auch im Langlauf zum endgültigen Durchbruch. Kurz darauf wurden die ersten Ausbildungskurse Ski alpin für Rollstuhlfahrer organisiert und somit wurde der Schneesport für Rollstuhlfahrer ins Leben gerufen und im Sportangebot der SPV etabliert. Diese Skikurse wurden seither fortgesetzt und sind nach wie vor fester Bestandteil im Sportangebot der SPV.
Bereits 1987 beteiligen sich Rollstuhlfahrer auch an Skirennen. Nach einigen nationalen und internationalen Wettkämpfen konnten die Monoskibobfahrer bereits 1988 an den 4. Paralympics in Innsbruck in den Disziplinen Slalom und Riesenslalom teilnehmen.
An den Weltmeisterschaften 1990 in Winterpark wurden bereits alle Disziplinen gefahren. In der Abfahrt werden Höchstgeschwindigkeiten wie bei den Fussgängern erreicht und Sprünge während der Abfahrt sind nicht mehr wegzudenken. Abseits der Rennpisten finden sich Monoskibobfahrer im Pulverschnee und den Buckelpisten - wer hätte diese rasante und eindrückliche Entwicklung erwartet! Ein neues Schneesportgerät erobert die weissen Hänge.
Die zunehmende Teilnehmerzahl von Monoskibobfahrern an internationalen Wettkämpfen führte an der WM 1990 in Winterpark/Colorado dazu, dass bei den Sit-Skiern eine Aufteilung von bisher zwei auf drei Kategorien eingeführt wurde. Diese Aufteilung wurde vor allem von den Amerikanern gewünscht, während die Europäer lieber eine einzige oder höchstens zwei Kategorien, abhängig von der Höhe des Lähmungsniveaus, anstrebten. Unter der Initiative von Michael Knaus, Österreich, wurde 1993 im Europacup ein Handicap System (KREC-System) eingeführt, welches einen Direktvergleich innerhalb der Kategorien der Monoskibobfahrer und auch mit den anderen Behindertenkategorien ermöglicht. Dieses System wird seither bei allen Wettkämpfen eingesetzt.
Heute nähert sich der alpine Wettkampfsport in der Schweiz immer mehr einer Professionalisierung an. Bei der SPV besteht ein Nachwuchsförderungsprogramm, dass Ski fahrende Rollstuhlfahrer spezifisch fördert und fordert, mit dem Fokus auf den Wettkampfsport. Vom professionellen Skilehrer, über Rennschulen bis zu Nationalkadern und Nationalmannschaft werden die leistungsorientierten Sportler betreut und ausgebildet. Die besten Schweizer Rollstuhlfahrer trainieren im Swissmonoskiteam.
Ski nordisch im Langlaufschlitten
Vielen Sportbegeisterten aus Sommersportarten wird im Spätherbst jeweils bange werden, wenn die Wetteraussichten Schnee versprechen und der Bewegungsdrang draussen in der freien Natur eingeschränkt wird. Ein Gefühl von Eingeschlossensein bei Kälte, langen Nächten, Schnee und Eis kann sich breitmachen und ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen, wenn wir feststellen müssen, dass uns im Alltagsrollstuhl im Winter gewisse Grenzen gesetzt sind!
Mittlerweile habe ich meinen Gefallen an der weissen Pracht wiedergefunden, wenn ich in meinem Langlaufschlitten tolle Loipen aufsuchen, Spuren hinterlassen und einen wunderbaren Wintertag «live» geniessen kann. Der Trainingseffekt jedenfalls ist für Körper und Seele weitaus grösser, als wenn ich mein Handbike, den Rennrollstuhl auf eine Rolle im Keller stellen sollte, um mich fit zu halten. Meine Befürchtung, der Kälte nicht trotzen zu können, erwies sich bereits vor sehr langer Zeit als Trugschluss. Zwar ist es unbedingt wichtig, sich an den gelähmten und nicht mehr spürbaren Körperteilen mit guter, zweckdienlicher Bekleidung gut zu schützen, aber die Anstrengung in Oberkörper und Armen lässt dort bald einmal Wärme, ja sogar Schweiss entstehen – da ist Frieren kein Thema mehr…!
Ein Paraplegiker ist durchaus in der Lage, auf ihm bekannter Loipe sich ganz selbstständig zu bewegen und in den Schlitten zu steigen. Oft ist es möglich, sein Auto derart optimal zu parkieren, dass gleich ab dem Parkplatz umgestiegen und losgefahren werden kann. Es ist für mich kein Thema mehr, im Winter in südliche Gebiete fliegen zu müssen, um opti-male Wintertrainings absolvieren zu können. Einmal an die besonderen Umstände gewöhnt, reagiert mein Körper äusserst gut auf Kälte – ich bin mit Sicherheit nicht öfters erkältet und vielleicht sogar besser «abgehärtet»!
Erste Versuche mit Langlaufschlitten wurden Ende der 70er-Jahre unternommen, als man versuchte, in einer Art Wanne/Schale sich über den Schnee zu stossen. Bald merkten die Tüftler – einer davon war der Schweizer Peter Gilomen aus Kriens –, dass darunter Alpin-Ski montiert werden mussten, um ein besseres Gleiten zu ermöglichen und zudem die Kälte nicht direkt auf die Schale wirken zu lassen. Erst später wurden Versuche mit Langlaufausrüstung unternommen, wobei sich herausstellte, dass die relativ schmale Skiführung einer Loipe durchaus ausreichte, um genügendes Gleichgewicht zu gewährleisten. Ein Kippen ist zwar nicht immer zu vermeiden, weil man aber mit Gurten fest mit dem Schlitten verbunden ist, kann einem nach einem Sturz der Schlitten nicht «abhanden» kommen…! Schlittenlanglauf ist seit 1984 in Innsbruck paralympisch und seither fester Bestandteil von Winterparalympics.






