Curling – das Spiel auf dem Eis
Das Spielfeld, das Eis, der Stein, die Regeln und die Spieler
Curling spielt man auf einem Eisfeld von einer Länge von mindestens 44,50m und einer Breite von mindestens 4,42m. Dieses Spielfeld wird «Sheet» oder «Rink» genannt. Am Ende jeder Seite eines Sheets liegt das Haus. Es besteht aus drei Kreisflächen mit einem Durchmesser von knapp 3,66m. Das Zentrum des Hauses wird «Tee» oder «Dolly» genannt.
Curling wird in der Halle auf «Pebble-Eis» gespielt. Dieses Eis besteht aus einer soliden Grundfläche, welche mit unzähligen gefrorenen Wassertröpfchen übersät ist. Diese Wassertröpfchen werden mit einer speziellen Brause gleichmässig auf dem Eis aufgebracht. Das Wasser für den Pebble ist beim Auftragen lauwarm und enthält keinen Kalk. Je nach Grösse und Wärme der Tröpfchen ergibt sich anderes Eis, welches zum Spielen feiner oder gröber sein wird. Das Bereitstellen von gutem Curlingeis ist die Kunst des jeweiligen Eismeisters vor Ort.
Der Curlingstein besteht aus Granit und wiegt knapp 20 kg. Er gleitet auf einem speziell geschliffenen Kreis. Durch die Reibung des Steines auf der gepebbelten Oberfläche und mit einer gleichzeitig mitgegebenen Drehung («curl» oder «turn») desselben können erst kontrollierte Kurvenbahnen erreicht werden. Dies ist zum Beispiel dann nötig, wenn man einen eigenen Stein hinter einem gegnerischen Stein verstecken will, damit er nicht angreifbar wird. Der Stein wird mit einer Teleskopstange, genannt «Delivery Stick», von der Ausgangsposition aus zum entfernten Haus geschoben. Durch das Einsetzen der gewünschten Kraft und der richtigen Drehung erhält man die Kontrolle über die Länge und finale Platzierung des Steins im oder vor dem Haus.
Für das Curlingspiel braucht es zwei Teams mit je vier Spielern (plus Ersatzspieler). Auf dem Eis muss zu jeder Zeit eine Frau spielen können, deshalb bestehen heutige Teams meist aus drei Männern und mindestens einer Frau. Der Spieler Nummer 1 eröffnet das Spiel und muss gute und richtige Längen, also einen sicheren Draw spielen können. Vom 2. Spieler erwartet man sowohl Draws als auch Take-outs, das heisst auch etwas schnellere Steine, welche gegnerische Steine aus dem Haus entfernen können. Abwechslungsweise und immer in der gleichen Reihenfolge treten die Spieler der Teams in Aktion und lassen je zwei Steine übers Eis «curlen». Pro Durchgang (End) geben die Teams je 8 Steine ab. Dabei gilt es, am Schluss möglichst viele eigene Steine so nahe am Zentrum wie möglich zu haben. Jeder Stein, der näher beim Zentrum liegt als der beste Stein des gegnerischen Teams, zählt. Eine Partie dauert ungefähr 2 Stunden (8 Ends bei Meisterschaften, 6 Ends bei vielen sonstigen Turnieren).
Der Curler ist ein Multitalent
Der Curlingspieler benötigt eine Spielstrategie wie im Schach, einen Sinn für Geometrie wie im Billard, das Feingefühl und die Technik eines Golfers, den Teamgeist wie im Baseball, das Gedächtnis eines Bridge-Spielers sowie die mentale Stärke und die Anpassungsfähigkeit eines Tennisspielers. In der Schweiz wurde Curling für Querschnittgelähmte in den späten Neunzigerjahren versuchweise lanciert und hat sich seitdem erfreulich entwickelt. Mittlerweile spielen auch vereinzelt MS-Patienten mit. Etwa 50 Curlerinnen und Curler sind Ende 2008 schweizweit mit dem Rollstuhl unterwegs. Der zahlenmässige Zuwachs schlug sich bald auch in guten Ergebnissen beim Leistungsvergleich auf internationaler Ebene nieder. Höhepunkte bildeten der Weltmeistertitel 2002 für das Schweizer Team, zwei WM-Silbermedaillen in den Jahren 2004 und 2007 sowie eine WM-Bronze-Medaille im Jahr 2005. Rollstuhlcurling ist seit 2006 in Turin zudem offiziell eine paralympische Wintersportart! Jedes Jahr werden zudem Schweizer Meisterschaften durchgeführt. Zurzeit bestreiten etwa 8 Teams von diversen Curling- und Rollstuhlclubs die gemeinsame Schweizer Meisterschaft in jeweils einer der rollstuhlgängigen Curlinghallen. Gespielt wird nach den Regeln des WCF (World Curling Federation), welcher eigens für das Rollstuhlcurling die Regeln angepasst hat.
Curling ist der Integration von Rollstuhlfahrern vor allem auch deshalb förderlich, weil es gemeinsam mit Fussgängern gespielt werden kann. Es gibt weder eine Geschlechtertrennung noch eine Altergrenze. Als einziger Unterschied fällt bei den Rollstuhlcurlern das Wischen weg. Deshalb muss der Stein schon am Anfang sehr präzise gespielt werden. Der Weg des Steines kann nachher nicht mehr beeinflusst werden. Geübt werden kann diese Spiel heute in verschiedenen Clubs von Basel, Bern, Lausanne, Limmattal und Wetzikon. Diese Clubs bieten während der Wintersaison (Anfang Oktober bis Ende März) regelmässig auch Schnuppertrainings für Interessierte an. Weitere Infos sind auf den Seiten des Rollstuhlsports der SPV zu finden.






