Startseite Alt+0Navigation Alt+1Inhalt Alt+2Kontakt Alt+3Sitemap Alt+4Suche Alt+5

Schweizer

Paraplegiker-Vereinigung

Kantonsstrasse 40

6207 Nottwil

Telefon: 041 939 54 00

Fax: 041 939 54 09

spv(a)spv.ch

 

Postkonto

IBAN CH06 0900 0000 6001 2400 3

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

Erfolgreiche Schweizer am zweiten Turkish Para-Badminton International

(21.04.2016)

8 Medaillen für das Schweizer Team und die Frage, ob das Deo «Victory» geholfen hätte.

 

Am Flughafen

Christian Hamböck in Action

Schweizer Delegation: Cynthia Mathez, Richi Hüppin, Sonja Häsler, Uschi Hüppin, Karin Suter-Erath, Christian Hamböck (v.l.n.r.)

Karin und Cynthia

Christian und Cynthia mit ihren Doppelpartnern Henriett Koòsz (AT) und Thomas Wandschneider (DE)

Zufriedene Schweizer Delegation

Anfang April fand auf dem Campus der Selcuk Universität in Konya, Türkei, das zweite Turkish Para-Badminton International statt. Dort trafen sich 73 Athletinnen und Athleten aus zehn Nationen zu einem viertägigen Turnier in den Kategorien Standing und Wheelchair. Nach einer pannenreichen Anreise konnte sich das Schweizer Team gut akklimatisieren. Die Athletinnen der Schweiz holten acht Medaillen – davon drei Goldene.

Bereits am Sonntag, 3. April machten sich Sonja Häsler, Cynthia Mathez und ich zusammen mit dem beiden Coaches Uschi und Richi Hüppin mit dem Flieger auf dem Weg nach Konya, wo das diesjährige zweite Internationale Turnier im Para-Badminton stattfand.

Um 14.00 Uhr führte uns unser Flug zuerst von Basel nach Istanbul, wo wir den Anschlussflug nach Konya nehmen mussten. Am Airport in Istanbul angekommen, waren unsere Alltagsrollstühle trotz richtigen Labels und mehrfachen Hinweisen unsererseits, bereits im Transfer und unterwegs als Gepäck zum Anschlussflug. Die doch recht grosszügig gebauten Rollstühle mit mindestens 20 kg Gewicht und eisernen Fussstützen in die wir uns setzen mussten,   wurden uns bereits beim Eingang zum Flughafengebäude wieder weggenommen. Wir transferierten auf E-Rollis mit Chauffeur, welcher auf einem Trittbrett hinter uns stand und wurden zum Gate des Inlandfluges gebracht. Dort sollten wir auf festmontierten Sitzen warten, bis der Aufruf zum Boarding erfolgt – also mehr als eine Stunde. Nach heftigen Diskussionen mit dem Flughafenpersonal konnten wir zumindest wieder einen Rollstuhl für uns Drei aushandeln, mit welchem wir bis zur Toilette rollen konnten.

Mit leicht erhitzten Gemütern und grosser Empörung ging es dann bald weiter in den zentralen Süden der Türkei, nach Konya – gemäss Wikipedia die siebtgrösste Stadt der Türkei mit annähernd 2 Millionen Einwohnern. In der Nacht, um 23.00 Uhr, wurden wir dann am Flughafen von Achmet, dem Turnierdirektor, und seiner Crew abgeholt und das ganze Gepäck auf einem grösseren Laster transportiert. Im Hotel angekommen, gönnten wir uns noch einen Nightcap an der Bar und fielen bald erschöpft aber zufrieden ins Bett.

Die ersten zwei Tage in Konya widmeten wir der Akklimatisierung. Konya liegt auf 1200 Meter über Meer, was auch die Flugbahn und -geschwindigkeit der Shuttles massgebend   beeinflusst. Bei angenehmer Aussentemperatur von rund 26°C nahmen wir am Montag die S-Bahn ins Zentrum und tauchten in eine stark vom Islam geprägte Stadt ein und liessen das bunte Treiben auf uns wirken. Auch lernten wir türkische Rollstuhlsportler kennen. Im Kültürpark, einer grünen Oase im Zentrum, trafen wir den türkischen Meister im Rollstuhl-Arm Wrestling. Gibt es diese Sportart in der Schweiz auch? Am Montag Abend stiess dann Karin Suter-Erath zu uns und so waren wir von der Anzahl Athleten vollständig.

Am Mittwoch war die Klassifizierung neuer Spielerinnen und Spieler geplant und die Sporthalle stand für erste Trainingssessions zur Verfügung. Im Schweizer Team mussten sich Cynthia Mathez und ich klassifizieren lassen. Erwartungsgemäss wurde ich in die Klasse WH2 und Cynthia in WH1 provisorisch eingeteilt.

Endlich stand nun der Turnierstart kurz bevor. Um 9.00 Uhr am Donnerstag startete das Turnier offiziell mit den ersten Gruppenspielen im Damen Einzel, bei welchen das Tableau aus den Kategorien WH1 und WH2 zusammengelegt wurde, gefolgt von den Damen- und Herrendoppel. Hier zeigte Cynthia das erste Mal ihre mentale Stärke und ihren grossen Willen bei ihrem Sieg über drei Sätze gegen die Türkin Mine Korkmaz. Sonja wie auch Karin gewannen ihre Matches am ersten Turniertag mit Bravour. Am Abend feierte das Team dann den runden Geburtstag von Uschi in der «Roof Bar» im 25. Stock des Hotels. Und sogar die deutsche Delegation machte mit einem Geburtstagsständchen ihre Aufwartung.

Am Freitag ging auch für mich das Turnier endlich los. In der Kategorie WH2 mit einem   4er-Tableau erwarteten mich drei harte Gegner – ein Malaysier, ein Engländer und ein Finne. Selbst gegen den Finnen, gegen den ich mir die grössten Siegeschancen erhoffte, reichte es leider nicht. So war mein Traum von einer Bronzemedaille ausgeträumt, ich dafür aber um einige Erfahrungen reicher.

Am Samstag standen die Mixed Doppel und die Halbfinalspiele bei den Frauen auf dem Turnierprogramm. Cynthia Mathez und Thomas Wandschneider (DE), Karin Suter und Martin Rooke (GB), Sonja Häsler und David Toupé (FR) und ich mit Henriett Koòsz (AT) bildeten Doppelpaarungen, welche mit anderen Mixed Teams in drei Dreiergruppen spielten. Cynthia setzte sich mit ihrem Doppelpartner im Spiel gegen mich und meine österreichische Partnerin durch und gewann auch das zweite Gruppenspiel gegen eine türkische Paarung. Sonja wie auch Karin gewannen im Mixed Doppel die Gruppenspiele. Im Verlaufe des Vormittags konnte Karin sich im Halbfinal Einzel gegen die Türkin Narin Uluç durchsetzen. Sonja musste gegen die Türkin Emine Seckin antreten, welche äusserst stark spielte und den Match auch eindeutig für sich entscheiden konnte. So stand auch schon die Finalpaarung für den nächsten Tag fest.

Der Sonntag begann mit dem Final im Damen Einzel zwischen Karin und Emine, welche als Weltranglistentopspielerin der Klasse WH2 klare Favoritin war. Den Sieg des ersten Satzes hatte Karin auf dem Racket. Die Türkin, welche sehr präzise spielte und starke lange Bälle schlug (Clears) und zudem auch fahrtechnisch auf hohem Niveau war, setzte sich schlussendlich mit einem Sieg von 26:24 und 21:16 durch. Es folgten anschliessend die Mixed Doppel Halbfinalspiele. So traten Karin Suter-Erath/Martin Rooke gegen Cynthia Mathez/Thomas Wandschneider an und erspielten sich den Einzug ins Final. Cynthia sicherte sich damit ihre Bronzemedaille. Auch Sonja und ihr Doppelpartner David schafften den Einzug ins Final mit einem unumstrittenen 2-Satz-Sieg. Im Final war vor allem der erste Satz hart umkämpft. Das Spiel endet schliesslich mit 22:20 und 21:11 zu Gunsten von Karin Suter-Erath und Martin Rooke.

Das Schweizer Team zeigte sich mit den Turnierresultaten sehr zufrieden. Cynthia und ich schnupperten erstmals internationale Turnierluft und ich frage mich heute, ob ich beim Packen meines Necessaires das Deo mit dem Namen «Victory» hätte einpacken sollen. Vielleicht hätte es dann auch für mich für eine Medaille gereicht! Ich werde es beim nächsten Turnier versuchen.

Christian Hamböck