Trekking für Jugendliche im Rollstuhl
Es war ein Abenteuer
Nottwil, 10. Juni 2008 - Einige Wanderer haben ganz schön gestaunt, als sie letzten Samstag auf dem Brunni eine fröhliche Kinderschar im Rollstuhl antrafen. Einfach war der Ausflug in die Berge nicht, und es er-forderte viel Kraft, die Trekkingrollstühle den Berg hochzuziehen. Gehol-fen haben 10 stellenlose Jugendliche und ihre Betreuer.
Die 10 querschnittgelähmten Kinder waren schon lange vor dem Ausflug nervös. Manche von ihnen waren zum ersten Mal in den Bergen, abseits von asphaltier-ten Wegen mitten in der Natur. Der Umstieg vom Rollstuhl in den wackeligen Trekkingstuhl allein war schon ein abenteuerliches Unterfangen. Dann wurden die Seile angezogen und Meter für Meter ging es den Berg hoch.
Langsam rauf...
Jeder Stuhl wurde von 3 stellenlosen Jugendlichen gezogen, die bei der Drei-punkt GmbH in Luzern ein Motivationssemester besuchen. Der Weg über die steile Skipiste war für alle ein schweisstreibender Kraftakt. Das Picknick auf dem Berggipfel und der trotz Nebelfeldern herrliche Blick auf Engelberg entschädigten für die Strapazen.
...und mit viel Tempo runter
Für die Rückkehr zur Brunnibahn wurden wiederum die Trekking-Stühle einge-setzt. In flottem Tempo ging es auf steinigen Wanderwegen den Berg runter. «Wir waren fast so schnell wie ein Skibob. Ich musste richtig in die Kurven lie-gen,» schwärmt der 14-jährige Max Fieser (Bild). Die Begeisterung war anste-ckend und die «Bremser» legten an sicheren Strecken gerne auch einen Zacken zu.
Der Austausch mit behinderten Gleichaltrigen ist auf jeden Fall eine Bereicherung für das Motivationssemester, meint Reto Siegenthaler, der den Einsatz für die Dreipunkt GmbH koordinierte. Organisiert wurde das Trekking von der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV), die jedes Jahr mit querschnittgelähmten Ju-gendlichen ein Sportwochenende organisiert. Dabei geht es auch darum, etwas Aussergewöhnliches anzubieten, das Kindern im Rollstuhl normalerweise nicht möglich ist.
Kraft für den Alltag im Rollstuhl
Wie wichtig ein solcher Ausbruch aus dem Alltag ist, zeigten immer wieder die funkelnden Augen der Kinder. Bei der Rückkehr berichtet die strahlende Manuela Saladin ihren Eltern begeistert von ihrem Abenteuer. Auch für die Helfer war es ein spannender Tag. Müde aber glücklich, etwas Wichtiges und Sinnvolles geleis-tet zu haben, kehren Sie von dem Einsatz zurück.
Um solche Erlebnisse zu ermöglichen, ist die SPV als Dachorganisation der Quer-schnittgelähmten immer wieder auf Unterstützung angewiesen. Nicht immer ist es einfach, freiwillige Helfer zu finden. Die Kooperation mit Dreipunkt war daher ein Glücksfall. Wichtig war auch, dass die Brunnibahn den komplizierten Trans-port der Gruppe und der Hilfsmittel übernahm und das auch noch kostenlos. Nur dadurch konnte das aufwendige Trekking überhaupt durchgeführt werden.
Die 1980 gegründete Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) ist der nationale Dachverband der Querschnittgelähmten mit rund 10'000 Mitgliedern. Sie fördert, vertritt und koordiniert gesamtschweizerisch die Anliegen der Para- und Tetraplegiker sowie weiterer Mitglieder. Zudem unterstützt sie 27 regionale Rollstuhlclubs in der ganzen Schweiz.
Die rund 55 Mitarbeitenden der SPV und zirka 1'500 Freiwillige setzen sich für gesellschaftliche, soziale, politische und persönliche Belange der Mitglieder ein und engagieren sich für deren Wiedereingliederung sowie die Verbesserung der Lebensqualität. Zum Leistungsangebot gehören die Sozial- und Rechtsberatung, Rollstuhlsport Schweiz (Förderung des Spitzen- und Breitensports), das Institut für Berufsfindung, das Zentrum für hindernisfreies Bauen und die Abteilung Kultur und Freizeit mit ihrem Reisebüro und der eigenen Reisebusflotte. Die SPV gibt zudem die Mitgliederzeitschrift Paracontact und das Sportma-gazin GoAhead heraus.
Weitere Informationen unter www.spv.ch.
Ansprechpartner:
Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, Nottwil
Evelyn Schmid, Events, Marketing und Kommunikation
Tel. 041 939 54 08, Fax 041 939 54 09
E-Mail: evelyn.schmid(a)spv.ch






