Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung
von Dr. iur. Thomas Troger, Direktor
Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) ist die nationale Selbsthilfeorganisation der Querschnittgelähmten. Sie fördert, wahrt, vertritt und koordiniert gesamtschweizerisch die Anliegen der Para- und Tetraplegiker, sowie der weiteren Mitglieder und ihrer Angehörigen. Sie setzt sich für diese in gesellschaftlichen, sportlichen, rechtlichen, sozialen, kulturellen, baulichen, beruflichen, politischen und persönlichen Belangen ein und engagiert sich für die Wiedereingliederung und für die Verbesserung der Lebensqualität der Mitglieder. Die SPV fördert und unterstützt als deren Dachorganisation den Aufbau von regionalen Rollstuhlclubs in der gesamten Schweiz.
1. Gründung und Leitidee
Nachdem er bereits 1975 die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) ins Leben gerufen hatte, ist vor einem Vierteljahrhundert am 27. April 1980 die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) vom damaligen Chefarzt des Paraplegikerzentrums Basel, Guido A. Zäch, zusammen mit den 7 bereits damals bestehenden Rollstuhlclubs Basel, Biel, Kriens, Uster, St. Gallen, Wetzikon und Zürich gegründet worden. Heute gehören 27 Rollstuhlclubs aus der gesamten Schweiz und bereits über 4'000 Aktiv- und mehr als 9'000 Passivmitglieder zur SPV. Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung unterstützt in grossem Masse finanziell und administrativ die 27 Rollstuhlclubs, welche ehrenamtlich geführt werden. Die 54 Delegierten (je 2 Delegierte pro Club) bilden auch das oberste Organ, die Delegiertenversammlung.Träger des SPV-Gedankens sind die derzeit 27 Rollstuhlclubs der Schweiz. Als regionale Sektionen tragen sie den Solidaritätsgedanken hinaus in die Gesellschaft. Ihren Mitgliedern bieten sie eine der vorteilhaftesten Plattformen, um aus der Isolation herauszufinden. Angeboten werden umfangreiche, auf die Region und die Mitglieder zugeschnittene Aktivitäten. Beim Sport, gemeinsamen Ausflügen, Hobbys, kulturellen und gesellschaftlichen Anlässen ergeben sich spontane und freundschaftliche Kontakte zwischen Fussgängern und Rollstuhlfahrern.
2. Gesamtheitlicher Ansatz
In der Schweiz erleiden jährlich rund 200 Personen infolge Unfalls eine Querschnittlähmung. Ihrem Leben trotz schwerster Behinderung Sinn und Inhalt zu geben, ist eine dauerhafte Aufgabe. Die ganzheitliche Rehabilitation eines Querschnittgelähmten beginnt schon am Unfallort und dauert bis ans Lebensende. Gemäss dieser Philosophie setzt die Hilfe in der engen Zusammenarbeit der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung und des Schweizer Paraplegiker-Zentrums Nottwil ab der ersten Minute ein und wird auch nach Austritt aus der Klinik aufrechterhalten. Eine bedeutsame Rolle spielt dabei die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung in Nottwil im Kanton Luzern. Sie ist gesamtschweizerisch tätig und offeriert allen Rollstuhlfahrern im Lande eine Fülle von Dienstleistungen zur Bewältigung des Alltags nach Austritt aus der Klinik und setzt sich für deren Besserstellung ein. Die Tätigkeit von rund 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Dienste der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung ist Teil des weltweit beispielgebenden Konzeptes zur ganzheitlichen Rehabilitation von Para- und Tetraplegikern. Es fusst auf dem Gedanken einer lebenslangen, weit über die rein medizinisch- therapeutischen Belange hinaus reichenden Begleitung von Betroffenen.
3. Modernes Management und Selbsthilfe sind kein Widerspruch
Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung ist ein Verband. Oberstes Organ ist die Delegiertenversammlung, das den Zentralvorstand wählt, in dem in der Regel drei aktive Clubpräsidenten einsitzen, neben einem Arzt und einer Angehörigenvertretung. Diese üben ihr Amt ehrenamtlich aus. Die Führung der operativen Geschäfte ist dagegen einer Geschäftsleitung unter der Führung eines Direktors abgetreten worden. Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung wird auf der Basis von modernsten Managementmethoden geführt. Leitbild, ein klares Geschäftsprofil, Geschäftsfelder, gegenseitig abgestimmte Strategien, Strategieblätter mit Kernstrategien, Führungsrichtlinien und ein Qualitätsmanagement gehören ebenso dazu wie neueste Strategieumsetzungsmittel wie die Balanced Score Card. Selbstverständlich sind auch MbO’s (Zielvereinbarungen), regelmässige Mitarbeitergespräche und ein elektronisches Personalführungssystem Bestandteil des Ganzen und werden Vorschläge und Reklamationen schriftlich erfasst und regelmässig Mitglieder- und Kundenumfragen sowie jährlich Mitarbeiterumragen durchgeführt. Dies ist nötig um den stetig steigenden Ansprüchen der Mitglieder nachzukommen. Qualität und Menschlichkeit sind gefragt. Beidem kann die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung mit einer klaren Führung, der sorgfältigen Auswahl aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (nach menschlichen und fachlichen Kriterien) und der frühzeitigen Festlegung von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung nachkommen.Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung kann zudem auf mehrere Hundert Freiwillige zählen, die sich immer wieder für Ferieneinsätze oder als Helfer bei Sportanlässen oder -kursen zur Verfügung stellen. Zahllose Freiwillige kommen in den 27 Rollstuhlclubs hinzu, so dass insgesamt rund 1500 Freiwillige eingesetzt werden können.
4. Massgeschneiderte Angebote
Wenn ein Querschnittgelähmter das Spital nach fünf bis neun Monaten Aufenthalt und erfolgreicher Erstrehabilitation verlässt, beginnt ein neues Leben. Das Dasein im Rollstuhl ist mit verschiedenen Schwierigkeiten verbunden, seien sie rein administrativer, transporttechnischer, baulicher, gesundheitlicher, sozialer oder gesellschaftlicher Art.Hier kommt die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung mit einem stetig wachsenden und breiten Angebot an Dienstleistungen in ihren fünf Abteilungen zum Tragen:
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Institut für Sozial- und Rechtsberatung: Professionelle Beratung durch Rechtsanwälte in Sozial- und Rechtsfragen (im Zusammenhang mit der Querschnittlähmung).
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Institut für Berufsfindung: Ausrichtung auf berufliches Fortkommen und auf eine rasche berufliche Integration. Die Beratung beginnt schon im Spitalbett. Die Erfolgsrate der beruflichen Wiedereingliederung ist extrem hoch. Von den zum Zeitpunkt des Unfalls berufstätigen Patienten können dank der ausgezeichneten Kontakte mit der Schweizer Wirtschaft mehr als 95% wieder einen Beruf ausüben. Im Angebot enthalten sind auch eine ganze Reihe von Kursen für die Aus- und Weiterbildung in verschiedenen Branchen inklusive einer speziellen Stellenbörse.
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Kultur und Freizeit: Betrieb eines Reisebüro für Gruppen- und Individualreisenund massgeschneiderte Ferien-Arrangements für Querschnittgelähmte. Organisation von verschiedenen Veranstaltungen (Konzerte, Ausflüge usw.), die Gemeinschaftserlebnisse und Abwechslung ermöglichen. Kurse in der Aus- und Weiterbildung sowie die Ausbildung von Freiwilligen zählen ebenso zum Angebot. Hinzu kommen auch ein Carbetrieb mit drei speziell umgebauten Reisebussen, sowie die Abgabe von behindertengerecht umgebauten Mietautos in der ganzen Schweiz.
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Rollstuhlsport Schweiz: Diese Abteilung kümmert sich um alle technischen und administrativen Belange, angefangen bei medizinischen Untersuchen über Ausbildung, Lizenzerteilung bis zur Selektion von Sportlern. Basis des Rollstuhlsports bilden die 27 Rollstuhlclubs durch aktive Förderung von Bewegung und Spiel. Gleichzeitig sind sie Sammelbecken von ambitionierten Sportlern verschiedenen Alters (Heinz Frei, Franz Nietlispach, Edith Hunkeler usw.), die unter anderem den sportärztlichen Dienst oder die Anlagen des Rollstuhlsport-Zentrums in Nottwil unentgeltlich in Anspruch nehmen können. Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung ist dem Schweizerischen Olympischen Verband angeschlossen als der Verband für Rollstuhlsport Schweiz. Sie ist Träger des Swiss Paralympic Committee. Im Gegensatz zu einem üblichen Sportverband bietet die Schweizer Paraplegiker- Vereinigung mit ihrer Abteilung Rollstuhlsport Schweiz insgesamt 14 Sportarten aufgegliedert in den Nachwuchs, Kader und Nationalmannschaft sowie in den Mannschaftssportarten Basketball und Rugby eine nationale Meisterschaft an. Alle Sportarten werden von Technischen Kommissionen (Ehrenamtliche) betreut und in allen Sportarten werden Schweizer Meister Titel vergeben. Die Schweiz gehört in sportlicher Hinsicht zu den grossen Pionieren und trägt nach wie vor wesentlich zur grossen Entwicklung des Sportes bei.
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Zentrum für hindernisfreies Bauen: Unterstützung von Bauherren und Fachleuten in Fragen der Beratung, Organisation, Projektierung, Planung und Ausführung durch ausgebildete Architekten. Das Vorhandensein von Wohnraum, in dem sich Rollstuhlfahrer frei und ungehindert bewegen können, ist ebenfalls eine wesentliche Voraussetzung für die möglichst reibungslose Widerintegration. In dieser Spezialdisziplin der Architektur füllt diese Abteilung eine Lücke in der Schweiz. Jährlich werden rund 250 Umbauten oder Neubauten durch das ZHB geplant und begleitet.
Zahlreiche weitere Dienstleistungen werden direkt von den Zentralen Diensten erbracht. Hierzu gehört insbesondere die gesamte Betreuung und Beratung der Rollstuhlclubs und der Mitglieder sowie die Übernahme von Dienstleistungen für die Clubs (Mitglieder- und Adressverwaltung, Versandwesen usw.). Den Mitgliedern stehen unter anderem Flottenrabatte zur Verfügung, ein Internet-Hotelführer wird betrieben und Merkblätter zu interessanten Themen werden herausgegeben. Die Öffentlichkeitsarbeit wird ergänzt durch die eigene Verbandszeitschrift Paracontact. Neben der Interessenvertretung wird hier die gesamte übrige Verbandsarbeit geleistet.Wer Hilfe braucht, kann sich aber auch direkt an einen der vier Mitarbeiter im Aussendienst wenden (in jeder Sprachregion). Alle sind selber Paraplegiker und Sprachbarrieren gibt es nicht.
5. Die Öffentlichkeit sensibilisieren
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Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung engagiert sich in der Öffentlichkeitsarbeit.Ein wichtiges Informationsmittel ist dabei die Verbandszeitschrift Paracontact, die sowohl in deutscher als auch französischer Sprache erscheint. Darüber hinaus vertritt sie in entscheidendem Masse die Interessen ihrer Mitglieder (z.B. Träger des erfolgreichen Referendums gegen die Abschaffung der ¼-Rente) und ist im Lobbying sehr aktiv.
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Sie setzt sich auch für eine allgemeine Sensibilisierung der Anliegen der Querschnittgelähmten ein. So haben beispielsweise im Auftrag der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung Fachleute ein wegweisendes, neues Konzept für einen ganzheitlichen Unterricht zum Thema «Schule und Behinderung» erarbeitet. Es heisst Paradidact und deckt alle wesentlichen Bedürfnisse von Lehrern und Schülern für eine sorgfältige Einführung und abwechslungsreichen Unterricht an der Oberstufe ab.
6. Finanzierung
Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung hat vom Bundesamt für Sozialversicherung verschiedene Leistungsaufträge erhalten und generiert damit rund 25% ihrer Gesamteinnahmen. Einen weiteren sehr breit gefächerten Leistungsauftrag hat ihr die Schweizer Paraplegiker-Stiftung erteilt. Diese gesamten Mandate machen 70–75% der Einnahmen der SPV aus. Die restlichen 25–30% werden durch die übrigen Dienstleistungen selber erwirtschaftet.






