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Curling

Ende gut, fast alles gut

Das Schweizer Rollstuhlcurling-Team hat an der WM in Gangneung (KOR) mit Rang acht das Minimalziel «Klassenerhalt» erreicht und qualifiziert sich damit direkt für die WM 2019. In einem Jahr kehren die Schweizer in die 3500 Zuschauer fassende Curling-Halle in Gangneung bei PyeongChang zurück. Nicht als Mitfavorit, sondern als ambitionierter Aussenseiter, der sich zwischen Exploit und grauem Alltag bewegt. Dies die sportliche Erkenntnis nach der perfekt organisierten vorparalympischen WM 2017.

 

Die – aufgrund des Turnierverlaufs – unerwarteten Siege gegen Kanada und Norwegen (nach einer taktischen Umstellung innerhalb des Teams) illustrierten, dass Skip Felix Wagner (Russikon/RC Wetzikon), Vize-Skip Claudia Hüttenmoser (Goldach/RC St. Gallen), Marcel Bodenmann (Ossingen/RC Wetzikon), Beatrix Blauel (Folgensbourg/RC beider Basel) und dem nicht zum Einsatz gekommenen Hans Burgener (Grindelwald/RC Bern) für Überraschungen sorgen können.

 

Andererseits setzte es gegen die «Liftnation» Finnland (Aufsteiger/Absteiger) oder die punktgleichen Amerikaner unerwartete Niederlagen ab, die in der Endabrechnung über Medaillenchance oder «Abstiegsangst» entschieden. «Wir sind im Moment selber ratlos woran es liegt. An einem Tag können wir unser Potenzial abrufen – dann passieren uns wieder Fehler, wir bringen uns durch Konzentrationsmängel in Rückstand», wunderten sich die WM-Vierten von 2016.

 

Auffälligkeiten

Auffällig 1: An Tagen mit zwei Partien setzte es ausschliesslich Niederlagen ab, an Tagen mit einem Match durchwegs Siege. Auffällig 2: Mehrmals gelang es dem Quartett vor allem zu Beginn der WM bis zum sechsten oder siebten End mitzuhalten, dann gelang dem Gegner der «Hammer». Anders gegen Kanada: Nach zwei Startniederlagen stand das Team unter zusätzlichem Druck und Felix Wagner schwang beim letzten Stein den «Hammer» perfekt.

 

Ergab unter dem Strich statistisch wegen der fehlenden Leistungskonstanz eine negative Bilanz: Erfolgen über Deutschland (2), Kanada und Norwegen stehen Enttäuschungen gegen Finnland, USA und Korea gegenüber. Die Finalisten Russland (Titelverteidiger) und Aufsteiger Schottland wiesen wie China über das gesamte Turnier weniger Hochs und Tiefs auf und waren somit besser. «Wir machen täglich neue Erfahrungen und lernen Neues dazu. Der Grat zwischen Sieg und Niederlage ist schmal», erkannten Aktive, Trainer, Delegationsleiter Daniel Andenmatten (TK-Chef Curling) und Physiotherapeut Lukas Haggenmacher.

 

Resultate Curling WM 2017

Bildgalerie

 

Wichtige Erfahrungen

In den nächsten Wochen und Monaten werden mit etwas Abstand zu den Ereignissen in Korea die detaillierten Analysen folgen und die notwendigen Änderungen auf dem Weg an die Paralympics 2018 eingeleitet. «Reichte die Akklimatisierungszeit von drei Tagen bei einer Zeitdifferenz von acht Stunden?», wird nach dem Fehlstart eine zu beantwortenden Frage sein.

 

Einfliessen werden auch die Live-Erfahrungen: Erstmals durften die im Vergleich zu 2016 auf einer Position umbesetzten Schweizer (Schulterverletzung von Eric Décorvet), in einer derart grossen Halle mit all den Sicherheitsleuten, Offiziellen und 3000 Zuschauern spielen. Sie erhielten einen Vorgeschmack, was 2018 an den Paralympics abgehen wird.

 

Eines steht fest: Die Konkurrenz wird im Hinblick auf die Weltspiele die Anstrengungen intensivieren und noch mehr investieren. Auch die «Mittelfeld»-Nationen wie Organisator Korea, die USA oder Kanada werden ihre Lehren ziehen. Über die Möglichkeiten von Russland oder China muss nicht diskutiert werden. Und jene in der Schweiz? Der Grat zwischen Lust und Frust dürfte schmal bleiben.

 

Urs Huwyler

Fotos: TK Curling

 

Ausgabe: 3/2017